Die 10. Weltfestpiele in der DDR (1973)

Im Sommer 1973 fanden in Ost-Berlin die 10. Internationalen Weltfestspiele statt. 25.000 Besucher aus mehr als 140 Ländern kamen, um mit den Jugendlichen in der DDR gemeinsam zu feiern und politisch zu diskutieren. Zwölf Jahre nach dem Mauerbau und fünf Jahre nach der Niederschlagung des Prager Frühlings wehte ein Hauch von Freiheit durch die Stadt.

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Die SED sah in dem Großereignis die Möglichkeit, die DDR nach außen als modernes, weltoffenes Land zu präsentieren und bei der eigenen Bevölkerung nach dem Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker Hoffnungen auf eine Liberalisierung zu wecken. Gleichzeitig fürchtete die SED-Führung aber, daß die Weltfestspiele zu einer Plattform für SED-kritische Stimmen werden könnten. Zahlreiche DDR-Bürger wurden deshalb vor Beginn der Weltfestspiele verhaftet oder bekammen Aufenthaltsverbote für Ost-Berlin. Für die Staatssicherheit wurde das Ereignis zu einem Großeinsatz. Und auch die FDJ-Funktionäre wurden in speziellen Schulungen auf die Weltfestspiele vorbereitet. Sie erhielten Vorgaben, wie politische Diskussionen geführt werden sollten. Eine besondere Rolle spielte dabei die Neue Ostpolitik der Bundesrepublik. Die Hoffnungen, die diese Politik bei vielen DDR-Bürgern weckte, wurde als sehr gefährlich wahrgenommen. Die Neue Ostpolitik sei nur ein Deckmantel für die alte imperialistische Politik. Diskussionen auf diesem Gebiet sollten deshalb am besten gar nicht geführt, sondern abgewehrt werden.

Der obbenstehende Film dokumentiert die politische Diskussionen auf dem Berliner Alexanderplatz. Die FDJ-Vertreter wirken in den Ausschnitten an vielen Stellen verkrampft und aggressiv. Der DEFA-Streifen ist aber dennoch interessant, denn politische Diskussionen in aller Öffentlichkeit - das war die Ausnahme in der DDR.