Die Potsdamer Konferenz (1945)

Churchill, Truman, Stalin

Zu Beginn der Konferenz: Churchill, Truman und Stalin (Q)

Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 trafen sich bei Potsdam die Regierungschefs der drei Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, um über die Nachkriegsordnung in Europa zu beraten. Das Ergebnis der Konferenz war kein "Potsdamer Abkommen" im völkerrechtlichen Sinne, sondern ein Protokoll über Vereinbarungen und gemeinsame Absichten. Das Protokoll enthielt dabei folgende Punkte:

1. Die Schaffung eines Rates der Außenminister

Die Außenminister der drei Staaten sollten gemeinsam mit den Außenministern Frankreichs und Chinas einen Rat in London bilden, der die Friedensverträge für die Feindstaaten Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland vorbereiten sollte, die anschließend den Vereinten Nationen vorgelegt werden sollten. Dieser Rat sollte später auch eine Friedensregelung für Deutschland vorbereiten.

2. Regierungsgewalt in Deutschland

Die drei Siegermächte übernahmen gemeinsam mit Frankreich die Regierungsgewalt in Deutschland. Ausgeübt wurde sie durch die Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen, die in ihren jeweiligen Besatzungszonen nur an die Weisungen ihrer Regierungen gebunden waren. In Fragen, die Deutschland als Ganzes betrafen, sollte die Regierungsgewalt von einem gemeinsamen Rat der Oberbefehlshaber, dem Kontrollrat, ausgeübt werden.

3. Grundsätze der Besatzungsherrschaft

Als Grundsätze der Besatzungsherrschaft sollten gelten:

  • Die Behandlung der deutschen Bevölkerung sollte, "soweit dieses pratkisch durchführbar" war, in ganz Deutschland gleich sein.
  • Völlige Demilitarisierung Deutschlands und "Ausschaltung der gesamten deutschen Industrie, welche für eine Kriegsproduktion benutzt werden kann" oder zumindest deren Überwachung.
  • Denazifizierung - also Auflösung der NSDAP und aller angeschlossenen Verbände sowie Verbot jeder "nazistischen" oder "militaristischen" Betätigung und Propaganda, außerdem Aufhebung aller nazistischer Gesetze und Internierung der "Nazistischen Parteiführer, einflußreicher Nazianhänger und Leiter der nazistischen Ämter und Organisationen und alle anderen "gefährlichen" Personen.
  • Demokratisierung - das heißt: "endgültige Umgestaltung des deutschen politischen Lebens auf demokratischer Grundlage und eine eventuelle friedliche Mitarbeit Deutschlands am internationalen Leben".
  • Dezentralisierung des politischen Lebens und Stärkung der lokalen Selbstverwaltung. Eine zentrale deutsche Regierung sollte vorerst nicht errichtet werden. Jedoch sollten auf den Gebieten Finanzen, Transport, Verkehr, Außenhandel und Industrie "zentrale deutsche Verwaltungen" eingerichtet werden, die unter der Leitung des Kontrollrates stehen sollten.
  • Dezentralisierung des wirtschaftlichen Lebens, womit die Beseitigung bestehender Monopole und Kartelle gemeinst war.

4. Gebietsveränderungen

Die drei Regierungschefs bestätigten die "Westverschiebung" Polens, die bereits auf der Konferenz von Jalta beschlossen worden war. Polen sollte im Westen für Gebiete entschädigt werden, die es im Osten gezwungenermaßen an die Sowjetunion abgetreten hatte. Über den genauen Verlauf der deutsch-polnischen Grenze kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Siegermächten. Die Westmächte akzeptierten schließlich die Grenze Oder/Görlitzer Neiße, jedoch unter dem Vorbehalt einer endgültigen Regelung durch einen Friedensvertrag.

5. Ausweisung Deutscher aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn

Die drei Regierungschefs erzielten außerdem eine Einigung über die Ausweisung der deutschen Bevölkerungsteile, die in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben sind. Diese "Überführung" solle jedoch, "in ordnungsgemäßer und humaner Weise" erfolgen.

6. Reparationen

In Hinblick auf die Leistung von Reparationen konnten sich die Siegermächte in Potsdam nicht einigen. Weder die Höhe der Reparationen noch ein gemeinsames Verfahren wurden festgelegt. Hintergrund waren gegensätzliche Interessen zwischen der Sowjetunion und den USA bzw. Großbritannien. Die Sowjetunion war naturgemäß an hohen Entschädigungszahlungen interessiert, um den Wiederaufbau des eigenen, durch Deutschland zerstörten Landes zu beschleunigen. Die USA und Großbritannien hatten dagegen den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft im Blick und sahen in zu hohen Entschädigungsforderungen eine Gefahr für die europäische Wirtschaft. Das Ergebnis war ein Kompromiß, der die Teilung des "Reparationsgebietes" bedeutete: Die Sowjetunion sollte ihre Reparationsansprüche durch Entnahmen aus der sowjetisch besetzten Zone befriedigen. Zusätzlich sollte sie einen Teil der industriellen Anlagen in den westlichen Besatzungszonen erhalten, "die für die deutsche Friedenswirtschaft" nicht notwendig waren.

7. Verfolgung von Kriegsverbrechern

Alle Personen, die an der Planung oder Verwirklichung von Kriegsverbrechen, beteiligt waren, seien zu verhaften und vor Gericht zu stellen. Darüberhinaus solle zum frühestmöglichen Zeitpunkt ein Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher stattfinden.

Begann in Potsdam die Spaltung Deutschlands?

Die Potsdamer Konferenz war zweifelsohne von Interessengegensätzen zwischen der Sowjetunion und den beiden Westmächten geprägt. Differenzen gab es vor allem in der Frage der Reparationen und der Gestaltung Osteuropas. Vor allem Großbritannien hatte nicht vergessen, daß die Sowjetunion bis 1941 ein neutraler Handelspartner Deutschlands gewesen war und bereits 1939 große Teile Polens besetzt hatte.

Gleichwohl gab es ein starkes gemeinsames Interesse am schnellen Wiederaufbau Europas und an der Schaffung einer gemeinsamen Nachkriegsordnung, die auf absehbare Zeit den Frieden garantierte.

In deutschlandpolitischer Hinsicht wurden (mit Ausnahme der Ausweisung der Deutschen aus Osteuropa) in Potsdam keine endgültigen Entscheidungen getroffen. Die Frage nach der Zukunft Deutschlands wurde vertagt. Vereinbart wurden Regelungen, die den status quo betrafen. Daß diese Regelungen den Weg zur deutschen Teilung förderten, bedeutet nicht, daß dieser Weg nach Potsdam unausweichlich war. Äußerlich betonten die Siegermächte auf der Konferenz von Potsdam ihre Einheit: in Fragen, die Deutschland als Ganzes betrafen, sollten die Siegermächte gemeinsam entscheiden. Und die Lebensbedingungen in Deutschland sollten, soweit möglich, in allen Besatzungszonen gleich sein. Defacto aber bedeutete das Prinzip der Einstimmigkeit im Alliierten Kontrollrat, daß die Besatzungsmächte in den Besatzungszonen unumschränkte Gewalt ausübten. Und die Regelung, daß die Sowjetunion ihre Entschädigungsforderungen im wesentlichen aus der östlichen Besatzungszone befriedigen sollte, bedeutete zumindest wirtschaftlich eine Spaltung.

Quellen