Hannah Arendt und der industrielle Massenmord in der NS-Zeit

War der millionenfache industrielle Mord an den europäischen Juden das Werk einer Clique von Verbrechern und Wahnsinnigen? Oder war er die Folge eines extremen deutschen Antisemitismus?

Wolfgang Dreßen erinnert in einem Radio-Essay des Deutschlandfunk an eine dritte Interpretation von Hannah Arendt, die den industriellen Massenmord als eine radikale Konsequenz der modernen Produktionsgesellschaft deutete.

In ihr gehe es um die Produktion einer neuen Wirklichkeit, die alles, was nicht zu ihr passt, ausblendet, ausgrenzt und schließlich ausrottet.

Interessant an diesem Ansatz ist, dass hier eine Kontinuität zwischen der NS-Zeit und der Nachkriegszeit in den Blick kommt: Hannah Arendt kritisiert, dass die Deutschen nach 1945 unfähig waren, das Geschehene überhaupt wahrzunehmen. Statt dessen hätten die Deutschen besinnungslos weiter produziert (Stichwort Wirtschaftswunder) und sich als allenfalls als Opfer einer sadistischen Verbrecherbande betrachtet.
Der Nationalsozialmus sei auf diese Weise in Sphäre eines unbegreifbar Bösen verschoben worden - und ausgeblendet worden.

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