Der BND und der Zusammenbruch der DDR (1989)

Der Bundesnachrichtendienst BND hat eine Reihe von Akten aus der Wendezeit an das Bundesarchiv in Koblenz übergeben. Das berichtet die Zeitschrift "DER SPIEGEL" in seiner Ausgabe vom 12. Oktober 2009. Die freigebenen Akten zeigen nach Einschätzung des SPIEGELs, daß der BND vom Zusammenbruch der DDR überrascht wurde. Das Fazit lautet, dass der BND über das Geschehen im Politbüro der SED "fast gar nicht" informiert war.

Besser informiert war der Dienst über die NVA und die Stimmung an der SED-Basis und in der Bevölkerung. Insgesamt war das Bild, das der BND über die Lage in der DDR zeichnete widersprüchlich und mit Falschmeldungen gespickt. Das lag sicher auch daran, daß das MfS eine Reihe von Informanten "umgedreht" hatte.

Interessant ist ein Bericht des BND über das Treffen von SED-Chef Hans Modrow mit dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow vom 30. Januar 1990. Die Mauer war zu diesem Zeitpunkt bereits gefallen, die Wirtschafts- und Währungsunion stand vor der Tür und viele Stasi-Zentralen waren bereits besetzt. Hans Modrow soll in diesem Treffen Gorbatschow angeboten haben, den Spionageapparat des MfS komplett zu übernehmen, wenn die Sowjetunion "die materielle Basis" des Dienstes "sichern" würde – also die Bezahlung übernehmen würde. Gorbatschow habe sich interessiert gezeigt, und tatsächlich ist immer wieder vermutet worden, daß ein Teil des Stasi-Geheimdienstes vom KGB übernommen wurde. Hans Modrow hat diesen Bericht nach Angaben des SPIEGELs als "glatte Lüge" dementiert.

Aufschlussreich ist auch ein Bericht des BND über ein Treffen zwischen Michael Gorbatschow und Erich Honecker aus der ersten Hälfte des Jahres 1989. Gorbatschow habe angekündigt, dass die Sowjetunion ihre Truppen in der DDR reduzieren werde. Honecker habe dagegen protestiert, woraufhin Gorbatschow geantwortet habe: "Jedes Land trage für seine innere Sicherheit die alleinige und ausschließliche Verantwortung. Unter seiner [=Gorbatschows] Führung werde die Sowjetunion nicht intervenieren, um eine Partei bzw. Obrigkeit vor unzufriedenen Massen zu schützen." Die Bundesregierung ist vom BND am 5. Juni 1989 über dieses Gespräch informiert worden. Und DER SPIEGEL vermutet, dass es Informationen wie diese waren, die Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher im Herbst 1989 die Zuversicht gaben, "dass Moskau die Wende geschehen lassen würde."

DER SPIEGEL 42/2009 vom 12.10.2009,S.44-50.

Das Ende der DDR - die Verräterclique der Frau Honecker

Inzwischen hat man Frau Honecker in Chile interviewt, doch im Ergebnis konnte man zu der Erkenntnis gelangen, Fakten sind für sie Schall und Rauch. Zeitzeugen blieben für sie Verräter, Gorbatschow nicht ausgenommen. War sie über alle Vorgänge in der DDR informiert? Findet man sie in Erichs Tagebüchern? Die wahren Gründe des Niedergangs der DDR eher nicht - null Ahnung von Wirtschaft und Militärbauwesen. Aus Geheimhaltungsgründen analysierte man die Zusammenhänge nur hinter vorgehaltener Hand. Somit blieben sie dem Volk bis 1990 verborgen. Bis heute hat Frau Honecker kein Wort darüber verloren, dass Gorbatschow die hegemoniale Vertragspolitik auf Grundlage der Perestroika ab 1986 änderte – das Wettrüsten schadete ja nicht nur der Wirtschaft der Sowjetunion. Warum also Indoktrination und Schießbefehl in der DDR noch bis 1989?
Gorbatschow lehnte schließlich ab, zu intervenieren – kein Eingreifen analog 17. Juni 1953.
Zeitzeugen des Ministeriums f. Staatssicherheit äußerten sich. M. Tschernig: „Ich war inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit und später Hauptamtlicher in der Abteilung XX der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Berlin. Wir haben Schicksale von rechtschaffenen Mitbürgern beeinflusst, wir haben Menschen in den Knast gebracht.“ H. Brehmer: „Ich gehörte der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) an. Unsere Niederlage war verdient. Das gesellschaftliche Modell, das im Osten aufgebaut worden war, war eine Utopie, dann auch noch verkommen in militanten Machtstrukturen.“ Lit.: “Im Auftrag des Großen Bruders”

"Im Auftrag des Großen Bruders" agierte auch das MfS

"Im Auftrag des Großen Bruders" - ergänzender Auszug aus dem - Zeitzeugenroman:

Die DDR war ja auf militärischem Gebiet der wichtigste Partner der ehemaligen Sowjetunion. Hier noch mal zur Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit, das nicht etwa nur Stimmungsbilder sondierte:
Vor allem wurden Arbeitskräfte aus volkseigenen Betrieben überwacht, die am Bau militärischer Objekte im Rahmen der Lieferverordnung der ehemaligen DDR beteiligt waren. Bevor sie in die militärischen Objekte durften, überprüfte man sie im Zeitraum von 6 Wochen bis zu 3 Monaten - je nach Bedeutung der Standorte. Dazu wurden Namenslisten der Betriebe mit den einzelnen Funktionen vom Handlanger bis zum Betriebsdirektor erstellt und dem MfS übergeben. Hinzu kamen noch Vorhaben des Ministeriums des Innern, der sowjetischen Streitkräfte u. jene an der innerdeutschen Grenze in Richtung West, Ost und an der Mauer. Daraus ergab sich eine flächendeckende Überwachung - Heere von Mitarbeitern der Stasi und seinen inoffiziellen Mitarbeitern wurden in allen 13 Bezirken der kleinen DDR “ins Rennen“ geschickt. Sie prüften, inwieweit betreffende Arbeitskräfte mit Bürgern in der BRD in Verbindung standen. Wie dies erfolgte, können Sie in der Autobiografie nachlesen.

Anmerkung:
Mein Ziel im Roman war, die Grenze zur erzählerischen Fiktion nicht zu überschreiten. In meinem Zeitzeugenroman werden Fakten in Handlungen aufgezeigt und mit Dialogen gespickt. Sie sollen das Leben der Menschen in der DDR unter genannten Bedingungen veranschaulichen. (Handlungszeitraum 1963 – 90)

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Schmidt, Zeitzeuge

“Im Auftrag des Großen Bruders“, AAVAA-Verlag Berlin u. der BND

Sehr geehrte Damen und Herren,

hier einiges zu meinem neuen Zeitzeugenroman, der sich vom Inhalt her erstmalig auf dem Buchmarkt befindet:
“Im Auftrag des Großen Bruders“, ISBN 9783862545513, Autobiografie, Handlungszeitraum: 1963 – 90.
Inhalt: Gründe des Niedergangs der DDR, ihre militärische Stellung im Warschauer Pakt (Hegemonie der ehemaligen Sowjetunion) und damit verbundene Probleme in der Wirtschaft. Die Auswirkungen sind heute noch erkennbar. Nicht zu kurz kommt die Arbeit des MfS.
Handlungsorte oder Gebiete mit wichtigen Militärbauvorhaben innerhalb des Warschauer Pakts im Rahmen des Wettrüstens (genannt werden nur einige): Leipzig, Berlin, Tessin, Garzau, Straußberg, Harnekop, Fürstenwalde, Bunker 302 Eichenthal, Fertigstellung wohlgemerkt noch 1988. Das Objekt 302 war wohl der empfindlichste Schlag ins Kontor der DDR-Wirtschaft. Die DDR war mit militärischen Standorten übersät – Atom- oder Führungsbunker wuchsen wie Trüffeln in der Erde – kaum einer wusste von den Milliarden im Schatten, zumal militärische Baumaßnahmen (LVO) zum Teil unter die geheime Verschlusssache fielen und somit nur ein sehr kleiner Personenkreis informiert war. Auch darauf waren die Aktivitäten der Stasi gerichtet. Sie überwachte eben auch jene Fachkräfte aus volkseigenen Betrieben, die für den Bau militärischer Objekte vorgesehen waren.

Klappentext des Buches:
Thomas Schmidt wird neben der Industrie auch auf militärischen Vorhaben der DDR eingesetzt. Bedingung ist, dass keine Kontakte in die Bundesrepublik Deutschland bestehen. Von Abenteuerlust getrieben plant Schmidt, in die BRD auszuwandern. Er gerät in das Blickfeld der Staatssicherheit, doch sein häufiger Arbeitsstellenwechsel als hausgemachte Freiheit macht das Observieren fast unmöglich. Schmidt leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Bauwesen. Die Marschrichtung für seine Tätigkeit als Bauleiter legt der Staat fest. Das erste Objekt ist eines der Landesverteidigung. Irgendwann erfolgt der Einsatz auf Vorhaben mit besonderer Geheimhaltung. Es handelt sich um die Führungs- und Atombunker der Nationalen Volksarmee. Was die Finanzierung dieser innerhalb des Warschauer Pakts so bedeutsamen Spezialobjekte betrifft, ist sie für das Ende der DDR-Wirtschaft mitbestimmend - die vorhandenen Baukapazitäten werden zum großen Teil für militärische Vorhaben „verheizt“. Schmidt, Geheimnisträger, hängt seinen Job erneut an den Nagel. Somit greift die Staatssicherheit aktiv in sein Leben ein und der Wettlauf mit der Macht beginnt …

Lesungen seit Oktober 2011

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Schmidt

Ruf: 034223/41226